Ein „Wahnsinnsturnier“ mit Stars im Sattel

Turnier-Gesamtergebnis und Schlussbericht, 8. November 2009
Faszination Pferd in Nürnberg: Sechs Tage internationaler Sport für Dressur-, Spring- und Ponyreiter

Turnier-Gesamtergebnis

Mit einem furiosen Finale der besten bayerischen Ponyreiter und Fahrer ist am Sonntag Abend die Faszination Pferd in Nürnberg zu Ende gegangen. Hochleistungssport mit 120 Aktiven aus acht Nationen auf 182 Pferden, Schauen mit über 150 der edlen Vierbeiner und zwei ausverkaufte Galaabende riefen an sechs Tagen zur 16. Auflage des beliebten Messeturniers, das vom 3. bis 8. November in der Nürnberger Frankenhalle über die Bühne ging. Mit 155.000 Besuchern konnte die Consumenta in diesem Jahr aufwarten, ein Großteil davon fand wie immer den Weg zu den Pferden.

„Ich bin in große Fußstapfen getreten“, so die neue Turnierleiterin Jacqueline Schmieder, die als Vorsitzende der Landeskommission Bayern und Vizepräsidentin des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet des Pferdesports aufwarten kann. Hochkarätiger Sport, volle Tribünen, super Stimmung und eine tolle Atmosphäre – das zeichnete auch dieses Jahr wieder die weit über Bayerns Grenzen hinaus beliebte Veranstaltung aus.

Gleich am ersten Tag der Faszination Pferd gaben sich Größen im Springsattel aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland ein Stelldichein. Hochkarätiger Springsport war angesagt und sorgte auf den voll besetzten Tribünen für lautstarken Beifall. Als Liebling des Publikums erwies sich dabei wieder einmal Hugo Simon, für Österreich startender Altmeister im Springparcours, der zum ersten Mal nach Nürnberg kam und das „Wahnsinnsturnier“ nicht genug loben konnte. Der 67-jährige Sympathieträger, der in seiner Karriere auf zahlreiche Weltcupsiege zurückblicken kann und seit über 30 Jahren im internationalen Spitzensport ein Wörtchen mitzureden hat, gab auch in Nürnberg richtig Gas. So konnte er auf Hors La Loi in einem Springen der Klasse S* hinter Martin Schäufler vom oberbayerischen Springreiterclub Fünfseenland auf Shandor den zweiten Platz belegen.

Spannend wurde es in einem Barrierenspringen der Klasse S*, in dem 20 Aktive in den Sattel stiegen. Drei Stechen waren nötig, bis die Sieger feststanden: Bei einer Hindernishöhe von beachtlichen 1,75 Metern zogen die Richter einen Schlussstrich und konnten dann zwei Reitern die goldenen Schleifen überreichen. Erfolgreich waren hier Hans-Peter Konle vom Reitclub Küps mit Dominum und Axel Schmidt (Reit- und Fahrverein Weisenheim am Sand) auf Förby. Der sportliche Höhepunkt war eine Springprüfung der Klasse S** mit Stechen, in der 20 Starter ihre Pferde gesattelt hatten. Nach einem spannenden Stechen setzte sich Sönke Kohrock vom RFV Au-Hallertau mit Clemens an die Spitze. Er legte den schnellsten Null-Fehler-Ritt hin und konnte am Ende verdient die goldene Schleife in Empfang nehmen.

Frankens beste Amazone verwies am zweiten Tag die meist männliche Konkurrenz in die Schranken. Mit einem tollen Ritt begeisterte die 26-jährige Springreiterin aus Fürth, Jörne Sprehe, die für den Reitclub Herzogenaurach startet, die Zuschauer. In einem Springen der Klasse S* holte sie sich mit der schnellsten Nullrunde die goldene Schleife und schlug damit 33 Konkurrenten. Auf den voll besetzten Tribünen drückten die Zuschauer fest die Daumen, als die junge Aktive auf ihrer Schimmelstute Giardina durch den Parcours fegte. Eine sichere Runde brachte der Reiterin den Sieg. In einem Punktespringen der Klasse S** mit Joker wurde es richtig spannend. Die Reiter konnten wählen, ob sie den schweren Joker springen und viele Punkte kassieren oder die etwas leichtere Alternative reiten und dementsprechend weniger Punkte sammeln wollten. Den schwersten Weg und das auch noch fehlerlos – das gelang von den 20 Startern nur den wenigsten. Die goldene Schleife ging am Ende an Frank Plock vom RFV Borken mit Joy FPG, der Michael Jung mit FBW Evita auf Rang zwei verwies. Dritte wurde Erin Charaklis-Hesse aus den USA mit ihrem Pferd Canberry vor Jörne Sprehe mit Kick like Bum.

Tolle Stimmung herrschte, als die letzte und schwerste Springprüfung dieser Veranstaltung, ein Springen der Klasse S** mit Stechen, über die Bühne ging. 26 Starter standen auf der Liste, acht qualifizierten sich schließlich in dem von Parcourschef Dieter Heinz gebauten Springen für das Stechen. Jubelnde Freude gab es am Ende bei Thomas Schneider vom RV Königsbrunn Gut Fohlenhof. Der 46-jährige Springreiter holte sich auf seinem Pferd C’est ci bon mit der einzigen Nullrunde im Stechen den Sieg im Großen Preis der Consumenta. Auf Platz zwei folgte dann Tobias Meyer, der Deutsche Meister der Jungen Reiter, der für den Springstall Puschak an den Start geht, mit Annabell.

Am dritten Tag gehörte die Frankenhalle den Spezialisten im Dressurviereck. Mit Frack und Zylinder ausgerüstet präsentierten sich da in einem Grand Prix de Dressage 15 Aktive den beeindruckten Zuschauern, um ihre vierbeinigen Partner bestmöglich vorzustellen. Als die „Ikone der Dressurreiter“ hatte Turnierchefin Jacqueline Schmieder sie vorgestellt und sie machte ihrem Ruf alle Ehre: Anja Plönzke, Nürnbergs Stammgast aus Wiesbaden, hatte ihren 10-jährigen Le Mont d’Or gesattelt und zeigte sowohl Publikum als auch den Richtern Dressursport vom Feinsten. Nach einer tollen Vorführung holte sich die attraktive Amazone die goldene Schleife und verwies damit Weltmeisterin und Olympiasiegerin Nadine Capellmann aus Würselen mit ihrem Nachwuchspferd Raffaldo auf den zweiten Platz.

„Nürnberg gehört zu meinen absoluten Lieblingsturnieren“, so Anja Plönzke. Und auch heuer erwies sich die Fahrt in die Frankenmetropole für sie wieder als rentabel. Zehn Teilnehmer hatten sich für den Grand Prix Special qualifiziert. Nach einer super Vorstellung im Dressurviereck holte sich Anja Plönzke souverän die goldene Schleife mit einem satten Vorsprung von fast 40 Punkten. Auf Platz zwei lag am Ende Dorothee Schneider vom Frankfurter Turnierstall Schwarz Gelb mit Kaiserkult TSF, eine Reiterin, die vor allem Nachwuchspferde schon sehr erfolgreich bei Bundeschampionaten vorgestellt hat. Platz drei ging an Lokalmatadorin Christine Eglinski, die Cosmopolitan CC gesattelt hatte.
Im Rahmen des Galaabends am Samstag wurde wieder die Grand Prix Kür ausgetragen. Beeindruckende Vorstellungen zu passenden Musikklängen verzauberten das Publikum und „Kürkönigin“ Anja Plönzke ließ ihre Fans in Nürnberg auch heuer nicht im Stich. Mit Le Mont d’Or und einer mitreißenden Kür holte sie sich die goldene Schleife.

Am Freitag kam auch noch der Nachwuchs im Sattel zum Zug. Zwölf Junioren und Junge Reiter, die sich während der Turniersaison aus den vier bayerischen Regionalverbänden qualifiziert hatten, ritten um den Sieg im Nürnberger Burgpokal der Bayerischen Reiterjugend 2009. Die Nase vorn hatte am Ende auch die Favoritin: Miriam Härlein vom fränkischen RC Zum Schloss Eysölden holte sich nach einer Super-Saison auf dem neunjährigen Hannoveraner Wallach Del Rusch überlegen den Sieg. Zweitplatziert in dieser Finalprüfung Kristin Beer aus dem schwäbischen Babenhausen mit der Bayernstute Indira.

Für volle Ränge sorgt traditionell das Kostümspringen bei der Faszination Pferd im Rahmen der Consumenta in Nürnberg. Auch heuer tobten die Zuschauer in der voll besetzten Frankenhalle, als Bayerns beste Reiterjugend im Springsattel in einer Prüfung der Klasse M* ihr Können zeigte. Mit der schnellsten Nullrunde setzte sich am Ende Annkathrin Mieling vom Reit- und Fahrverein Wassertrüdingen mit Lady Dancer D an die Spitze, gefolgt von Nicoletta Stein, Lokalmatadorin vom RC Nürnberg, die auf Einstein an den Start gegangen war.

Noch schwieriger für die Nachwuchsreiter wurde es in einem M**-Springen. Nur eine Starterin schaffte im Umlauf eine fehlerfreie Runde, so gab es kein Stechen. Gold ging an Stefanie Paul vom RC Altusried mit Castor BS, auf dem zweiten Platz folgte Sven Fehnl (Küps) mit Loving Dancer.

Zwölf Junioren und Junge Reiter, die sich während der Turniersaison aus den vier bayerischen Regionalverbänden qualifiziert hatten, ritten anschließend auch hier um den Sieg im Nürnberger Burgpokal der Bayerischen Reiterjugend 2009. Ausgeschrieben war ein Stilspringen der Klasse L, aus dem die besten sechs Jugendlichen in Nürnberg dann noch ein L-Springen auf Fehler und Zeit absolvieren mussten. Nach einem stilgekrönten Ritt und einer schnellen Nullrunde setzte sich Amelie Empl vom RV Königsbrunn mit Cortes an die Spitze. Die silberne Schleife holte sich dann Pia Krutil vom RFV Högl Anger mit der neunjährigen bayerischen Stute Unabelle G.

Die Nachwuchsreiter im Dressursattel konnten sich in zwei Wettbewerben der Klasse M** bewähren. Die beiden Siegerinnen hießen hier schließlich Kristin Beer (RZV Babenhausen), die ihre zehnjährige Bayernstute Indira gesattelt hatte, und Franziska Stieglmaier aus dem fränkischen Roth-Untersteinbach mit ihrem bewährten Ratzfatz. Die junge Amazone zeigte eine fantasievolle Kür zu den Klängen des Musicals Cabaret und begeisterte damit sowohl das Publikum als auch die Zuschauer.

Premiere bei Faszination Pferd 2009: Erstmals kamen hier auch die Nachwuchsfahrer zum Zug. Im Preis der Nürnberger Versicherungsgruppe durften die fünf Besten, die sich während der Saison aus den Regionalverbänden qualifiziert hatten, eine Dressur und ein Hindernisfahren bestreiten. Die kombinierte Wertung entschied schließlich die amtierende bayerische Juniorenmeisterin Anika Geiger aus Vaterstetten bei München mit ihrem Pony Power Prince für sich. Zweitplatziert wurde Sonja Nutz aus Neuburg an der Donau mit Rubens. Als Richter fungierte übrigens der mehrmalige Weltmeister im Vierspännerfahren Michael Freund aus Dreieich.

Der Sonntag ist bei Faszination Pferd traditionell der Tag der Ponys. Sowohl im Dressurviereck als auch im Springparcours geht es da um den Bayern Ponycup. Gesamtsiegerin im Dressurviereck wurde am Ende Annalena Anselstetter vom Lettenhof mit Lettenhofs Element of Surprise. Bei den Springponys hatte nach der Schlussabrechnung Franziska Stein (RC Nürnberg) mit dem bayerischen Pony Milky Twilight die Nase vorn.

AFAG Messen und Ausstellungen GmbH
Text: Martina Scheibenpflug
Foto: Fotoagentur Dill

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